Nahrungsergänzung kritisch einordnen

Nahrungsergänzungsmittel sind aus den Regalen unserer Apotheken nicht mehr wegzudenken. Täglich fragen mich Kundinnen und Kunden, ob sie Vitamin D, Magnesium, Omega-3 oder andere Präparate einnehmen sollten. Die Antwort ist nicht pauschal zu geben, denn jede Person hat unterschiedliche Bedürfnisse. Wichtig ist, Nahrungsergänzung kritisch einzuordnen und nicht automatisch davon auszugehen, dass mehr immer besser ist. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Wann macht Nahrungsergänzung Sinn?

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und unterliegen anderen Zulassungsverfahren. Sie dienen dazu, die normale Ernährung zu ergänzen, wenn es zu Engpässen kommt. Ein echter Mangel liegt vor, wenn der Körper nicht ausreichend mit einem bestimmten Nährstoff versorgt wird. Das ist beispielsweise bei Vitamin-B12-Mangel bei veganer Ernährung oder bei diagnostiziertem Vitamin-D-Mangel in den Wintermonaten der Fall.

Allerdings: Die meisten Menschen in der Schweiz sind bei ausgewogener Ernährung gut mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Bevor Sie zu Nahrungsergänzung greifen, lohnt sich eine ehrliche Analyse der eigenen Essgewohnheiten. Oft hilft eine Ernährungsumstellung mehr als jedes Präparat. Dennoch gibt es Lebenssituationen, in denen Nahrungsergänzung sinnvoll sein kann, etwa bei erhöhtem Bedarf, bei bestimmten Erkrankungen oder während einer Reise.

Wenn Sie unsicher sind, ob eine Ergänzung für Sie persönlich notwendig ist, können wir in der Apotheke gemeinsam mit Ihnen klären, ob tatsächlich ein Mangel vorliegen könnte oder ob eine Umstellung der Ernährung ausreicht.

Qualität und Wechselwirkungen prüfen

Nicht alle Nahrungsergänzungsmittel sind gleich. Die Qualität variiert erheblich zwischen den Herstellern. Achten Sie auf Zertifizierungen und darauf, dass das Produkt in der Schweiz registriert ist. Lesen Sie die Zutatenliste genau durch und beachten Sie die Dosierungsangaben. Mehr ist nicht automatisch besser, und eine Überdosierung kann sogar schädlich sein.

Ein oft unterschätzter Aspekt: Nahrungsergänzungsmittel können mit Arzneimitteln wechselwirken. Wenn Sie regelmäßig Medikamente nehmen, ist es essentiell, dies vor der Einnahme von Nahrungsergänzung zu klären. Vitamin K kann beispielsweise die Wirkung von Blutverdünnern beeinflussen, und hochdosiertes Vitamin C kann bestimmte Bluttests verfälschen. Deshalb sollten Sie Wechselwirkungen in der Apotheke abklären, bevor Sie ein neues Präparat starten.

Besonders wichtig ist auch die richtige Lagerung. Viele Vitamine und Mineralstoffe sind licht- und wärmeempfindlich. Bewahren Sie Ihre Nahrungsergänzung deshalb kühl und dunkel auf, ähnlich wie Sie Medikamente richtig aufbewahren würden.

Kritische Fragen stellen

In der Werbung werden Nahrungsergänzungsmittel oft mit großen Versprechungen angepriesen. Seien Sie skeptisch gegenüber Aussagen wie "stärkt das Immunsystem" oder "beugt Erkältungen vor". Solche Aussagen sind für Nahrungsergänzung nicht zulässig. Ein starkes Immunsystem entsteht durch ausreichend Schlaf, Bewegung, Stressabbau und eine ausgewogene Ernährung, nicht durch Pillen allein.

Wenn Sie bereits erkältet sind, können einzelne Nährstoffe unterstützend wirken, doch auch hier gilt: Erkältungsbeschwerden sorgfältig begleiten bedeutet, das gesamte Bild zu betrachten. Dasselbe gilt, wenn Sie verreisen und überlegen, welche Ergänzungen in Ihre Reiseapotheke sinnvoll zusammenstellen könnte.

Tipp aus der Apotheke: Führen Sie ein Ernährungstagebuch über eine Woche. Oft zeigt sich dabei, dass Sie bereits ausreichend Nährstoffe aufnehmen. Falls tatsächlich Lücken entstehen, lassen Sie sich von uns eine individuelle Empfehlung geben, statt blind Präparate zu kaufen.

Nahrungsergänzung kann eine sinnvolle Ergänzung zu einer gesunden Lebensweise sein, aber sie ersetzt keine ausgewogene Ernährung und keinen aktiven Lebensstil. Treffen Sie Ihre Entscheidung bewusst und informiert, nicht aus Angst oder Marketing-Versprechen heraus.

Bei Fragen wenden Sie sich an Ihr Apothekenteam.